Änderungen zur Zuchtwertschätzung

Basisanpassung und neue Zusammensetzung der RZW Körper, Fundament und Euter

Hintergrund der Anpassungen in den Relativzuchtwerten Körper, Fundament und Euter sind Beobachtungen aus der Praxis sowie die Ergebnisse einer Populationsstudie. Darin wurde u.a. festgestellt, dass sich das Populationsmittel in einzelnen Merkmalen in eine ungewünschte Richtung bewegt. Beispielsweise konnte ermittelt werden, dass die Hinterbeine der Kühe immer steiler werden. Als Konsequenz wurde das Optimum für das Merkmal Hinterbeinwinkelung im Linearprofil von 88 (Tendenz zum steileren Bein) auf 100 (leicht gewinkelt) verschoben. Als zusätzliche Anpassung rückt im Fundamentzuchtwert das Merkmal Bewegung mehr in den Fokus und nimmt nun einen Anteil von 30 % bei der Ermittlung des Zuchtwerts Fundament ein. Die Gewichtung von Klauenwinkel und Hinterbeinstellung im Fundamentzuchtwert wurde im Gegenzug von jeweils 20 % auf je 15 % reduziert. Damit besteht der neu gewichtete Fundamentzuchtwert jetzt aus den Anteilen: 30 % Bewegung, 20 % Sprunggelenk, 20 % Hinterbeinwinkelung, 15 % Klauenwinkel und 15 % Hinterbeinstellung.

Im Zuchtwert Körper wird das Linearmerkmal Größe ab einem Zuchtwert von 112 mit Abschlägen im Relativzuchtwert berücksichtigt. Bullen, die also mehr als eine Standardabweichung (> 12 Punkte) Größe vererben, bekommen somit einen Abschlag im Relativzuchtwert. Zusätzlich ändert sich die Gewichtung der Merkmale Körpertiefe und Stärke im Relativzuchtwert Körper. Während die Körpertiefe bisher ein Gewicht von 25 %, und Stärke einen Anteil von 15 % am Körperzuchtwert hatte, werden jetzt beide Merkmale mit je 20 % gewichtet. Damit verbuchen Vererber, die Größe mit Stärke kombinieren, geringere Abschläge als Bullen, deren Töchter zwar groß sind, denen es aber an Stärke fehlt. Ziel ist, damit langfristig die Tendenz zu extrem großen Kühen mit schmaler Vorhand bzw. geringer Körperbreite zu unterbinden bzw. zu mildern.

Die Anpassungen im Merkmalskomplex Euter betreffen insbesondere die Merkmale Strichplatzierung der Vorderstriche sowie Strichlänge. Neuerdings wird die Platzierung der Vorderstriche nicht mehr als Maximalmerkmal (je enger, desto höher bzw. besser) bewertet, sondern mit einem Optimum von 112 (Tendenz enger) berücksichtigt. Dadurch sollen sowohl zu hohe Zuschläge bei vorne sehr eng platzierten Strichen, als auch ein Einfluss von ganz weiten Strichplatzierungen auf den Euterzuchtwert vermieden werden. Das Optimum der Strichlänge wird zudem ab einem Wert von 112 angesetzt. In der Praxis bedeutet dies, dass Bullen im Merkmalskomplex Euter erst positive Zuschläge bekommen, wenn ihr Zuchtwert für Strichlänge bei einem Wert von 112 und mehr (und nicht wie bisher bei 100) liegt. Damit soll dem aktuellen Trend zu kürzeren Strichen entgegengewirkt werden.

Eine ausführliche Erläuterung der Anpassungen finden Sie hier (als PDF-Download, 183 KB).