Janna Denekas, Masterarbeit 13.08.2009

Einfluss von geschlechtssortiertem Sperma auf Fruchtbarkeitsparameter und Abkalbedaten von Holstein-Friesian Rindern in Ostfriesland

Einleitung:

Der Wert von Kuhkälbern nimmt in der heutigen Zeit immer weiter zu. Gute Zuchtbetriebe nutzen den Verkauf von Kälbern oder Färsen, um die Liquidität im Betrieb zu verbessern. Um möglichst viele Kuhkälber zu bekommen, wird verstärkt auf den Einsatz von geschlechtssortierten Sperma umgestellt. Die Betriebsleiter erhoffen sich dadurch außerdem, die Remontierungskosten zu senken und eine schärfere Selektion der zur Remontierung notwendigen Färsen durchführen zu können. Dabei dürfen jedoch die erhöhten Kosten für die Spermaportion mit gesextem Sperma und die schlechteren Befruchtungsergebnisse nicht in Vergessenheit geraten. Seit dem Jahr 2000 ist gesextes Sperma auf dem Markt verfügbar. Es wird in Deutschland jedoch erst seit 2007 verstärkt eingesetzt. Weltweit belaufen sich die verkauften Portionen mit gesextem Sperma auf mehrere hunderttausend. In Deutschland entwickelt sich der Einsatz zwar auch positiv, allerdings bedeutend langsamer als in anderen Regionen der Welt. Das Angebot an verfügbaren Bullen hat sich durch die gestiegene Nachfrage ausgeweitet. Jedoch ist noch nicht von allen Bullen gesextes Sperma erhältlich (DETTERER, 2008). Die Herstellung ist sehr teuer, und es können nur wenige Portionen pro Stunde produziert werden. Die Betriebskosten für eine Maschine belaufen sich im ersten Jahr auf über 2 Million (Mio.) US Dollar (SEIDEL, 2002). In Deutschland wird das Spermasexen daher außer zu Versuchszwecken noch nicht routinemäßig durchgeführt. So müssen die Zuchtbullen des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST) nach England verbracht werden, wo das Sperma durch die Besamungsstation Cogent gewonnen und anschließend sortiert wird. Hier wird seit mehr als sechs Jahren mit zehn Maschinen gesextes Sperma produziert und auf dem europäischen Markt angeboten. Außer den Bullen des VOST stehen weitere Bullen aus Deutschland sowie aus Italien bei Cogent. Das Unternehmen bietet das Sexen als Dienstleistung für andere Besamungsstationen an und hat auf dem europäischen Markt eine Pioniersposition in Sachen gesextes Sperma erreicht.

Diese Arbeit befasst sich mit den Abkalbe- und Fruchtbarkeitsdaten von verschiedenen ostfriesischen Betrieben, die in ihren Herden gesextes Sperma eingesetzt haben. Es soll dabei untersucht werden, welche Größen verschiedene Fruchtbarkeitsparameter beim Einsatz von normalem und sortiertem Tiefgefriersperma einnehmen, und ob die Abkalbungen nach Einsatz von gesextem Sperma anders verlaufen als bei unsortiertem Sperma.

Zusammenfassung:

Das Thema Spermasexing ist trotz der aktuell schlechten Situation auf dem Milchmarkt sehr gegenwärtig. In den Zuchtzeitschriften findet man immer wieder neue Vererber, von denen gesextes Sperma verfügbar ist. Von Praxiserfahrungen wird allerdings selten berichtet, oder sie beziehen sich nur auf vereinzelte Fälle, so dass sie wenig aussagekräftig sind. Viele deutsche Zuchtorganisationen bieten mittlerweile gesextes Sperma an. In Deutschland wird jedoch nach wie vor kein sortiertes Sperma für konventionelle Zwecke sortiert, so dass die Produktion im Ausland stattfindet. Inwieweit sich die Fruchtbarkeitsdaten bei Einsatz von gesextem Sperma mit denen bei Einsatz von normalem Sperma unterscheiden, sollte in dieser Arbeit untersucht werden. Es konnte festgestellt werden, dass die Verwendung von gesextem Sperma zwar zu geringeren Konzeptionsraten führt, diese aber mit knapp 10 % Unterschied nur leicht unter denen für konventionelles Sperma liegen. Die meisten Fruchtbarkeitsparameter schnitten bei gesextem Sperma schlechter ab als bei unsortiertem Sperma (Ausnahme Rastzeit und Zwischenbelegzeit). Dafür liegt der Anteil an weiblichen Kälbern mit durchschnittlich 86 % allerdings auch bedeutend höher als der aus normalem Sperma mit ca. 48 %. Der Anteil an Schwergeburten ist bei weiblichen Kälbern bedeutend geringer als bei männlichen Kälbern, so dass sich hierdurch ein Vorteil für den Einsatz von gesextem Sperma ergibt. Auch die Totgeburtenrate ist bei weiblichen Kälbern geringer als bei männlichen, was wiederum für den Einsatz von gesextem Sperma spricht.

Die Effizienz der Sortierung ist nach wie vor zu gering, um preiswert und in großen Mengen sortierte Spermaportionen produzieren zu können. Studien zur Reinheit von Sortierprozessen oder zur Fruchtbarkeit sind angesichts der Tatsache, dass gesextes Sperma relativ neu auf dem Markt verfügbar ist, noch sehr begrenzt. Für die Zukunft wird an leistungsfähigeren Sortiergeräten gearbeitet, welche kostengünstig mehr lebensfähige, weibliche Spermien pro Portioen herausfiltern können. Somit könnte das Bullenangebot von gesextem Sperma zusätzlich erweitert werden, so dass gerade Topbullen, von denen das Sperma aufgrund der hohen Nachfrage generell knapp ist, gesext werden.

Die Möglichkeit, das Nachkommensgeschlecht bereits vor der Befruchtung festzulegen, erlaubt einen schnelleren genetischen Fortschritt sowie eine höhere Produktivität. Ob in Europa geschlechtsspezifisch differenziertes Sperma flächendeckend zum Einsatz kommen wird, hängt von dessen Fähigkeit ab, akzeptable Fruchtbarkeitsraten zu erzeugen (KLINC und RATH, 2005).

Zur Wirtschaftlichkeit konnte in dieser Arbeit ein grober Überblick gegeben werden. Bei Einhaltung von Trächtigkeitsraten von mindestens 50 % und einem höheren Wert der Kuhkälber von 277 € kann bei Besamungen von 100 Tieren ein Gewinn von 632 Tieren erzielt werden. Dieser ist jedoch stark von den Preisen für gesextes Sperma und für Kälber abhängig. Um die Wirtschaftlichkeit im Detail zu berechnen, müssten genauere Analysen und Untersuchungen durchgeführt werden.

Der Einsatz von gesextem Sperma hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Entwicklungen der Sexingtechnologie haben sich immer wieder verbessert. In den kommenden Jahren kann mit einem weiteren Anstieg des Einsatzes von geschlechtsspezifisch sortiertem Sperma gerechnet werden.