Jutta Kückemück, Masterarbeit 22.11.2010

Betriebsspezifische Effekte für unterschiedliche Trächtigkeitsergebnisse beim Einsatz von gesextem Sperma am Beispiel landwirtschaftlicher Betriebe im Zuchtgebiet des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST)

Einleitung:

Der Einsatz von gesextem Sperma in der Milchviehproduktion ist heute keine Seltenheit mehr. Seit den Anfängen im Jahr 1999, wo Bestrebungen unternommen wurden, gesextes Sperma in größerem Umfang einzusetzen, hat sich diese Biotechnologie zu einer praxistauglichen Technik entwickelt (Seidel et al., 1999).

Trotzdem kann das gesexte Sperma nicht mit seinem konventionellen Gegenspieler konkurrieren. Das wird besonders bei der Betrachtung der Besamungsanteile der jeweiligen Spermasorte deutlich. So wurden im Besamungsjahr 2008/2009 insgesamt lediglich 59.655 Portionen gesextes Sperma versamt (Cramer, 2010), was einem Besamungsanteil von ca. 1,38 % entspricht. Neben den höheren Preisen für gesextes Sperma, die in der Regel eine Preisdifferenz von 25 bis 30 € im Vergleich zu konventionellem Sperma aufweisen, sind die Nachteile der geschlechtsbestimmten Besamung von entscheidender betriebswirtschaftlicher Bedeutung (Frese, 2009): In Zeiten, in denen die landwirtschaftliche Fachpresse hauptsächlich über die Entwicklungstendenzen des Milchpreises berichtet, ist es schwer, die Vorteile von gesextem Sperma wie zusätzlichen Kuhkälbern glaubwürdig zu vertreten. Auf der anderen Seite gibt es auch Betriebe, die trotz niedriger Milchpreise gesextes Sperma verstärkt einsetzen. Es stellt sich nun die Frage, was diese Landwirte von ihren Berufskollegen unterscheidet.

In der Regel wird der Einsatz von gesextem Sperma bevorzugt bei Färsen empfohlen, da die Non-Return-Raten höher ausfallen (Rath und Johnson, 2008). Die Färsen sind, als Ausgangsmaterial betrachtet, jedoch nicht auf allen Betrieben vergleichbar. Von dem Pedigree der Tiere einmal abgesehen, werden sie in einem unterschiedlichen Lebensalter belegt und haben zudem verschiedene Qualitäten der Jungviehaufzucht durchlaufen.

Die folgende Arbeit wird die Qualität der Jungviehaufzucht von praktischen Betrieben im Zuchtgebiet des VOST in der Milchviehregion Ostfriesland/Ammerland beleuchten und untersuchen, inwieweit sich diese auf den Reproduktionserfolg bei dem Einsatz von gesextem Sperma auswirkt.

Zusammenfassung:

Im Zuchtgebiet des VOST wird seit dem Jahr 2007 gesextes Sperma eingesetzt, wobei der Erfolg seitens der Betriebe große Differenzen aufweist. Die vorliegende Untersuchung hatte das Ziel, die Jungviehaufzucht von landwirtschaftlichen Betrieben im Zuchtgebiet des VOST hinsichtlich ihres Einflusses auf unterschiedliche Erfolgsquoten beim Einsatz gesexten Spermas zu analysieren.

Anhand eines Fragebogens wurden die Jungviehaufzucht und das Besamungsmanagement von 35 Betrieben in Ostfriesland und im Ammerland untersucht. Als Datengrundlage waren Fruchtbarkeits- und MLP-Daten über 191 Betriebe vom VIT gegeben, die durch die Angaben über die Techniker vom VOST vervollständigt wurden. Die mittels eines Punktesystems bewertete Qualität der Jungviehaufzucht wurde mit der NRR mit gesextes Sperma der Jahre 2007 bis 2009 verglichen. Es erfolgte eine Klasseneinteilung anhand der Merkmale „Nabeldesinfektion“, „Weidehaltung“, „Gewichtsvorstellung“, „Brunstbeobachtung neben anderen Tätigkeiten“ und „Selektion der Färsen“, deren Einfluss bezüglich der NRR mit gesextem Sperma untersucht wurde. Des Weiteren wurde auf der Basis der 191 Betriebe der Einfluss des Jahres, des Technikers, der NRR mit konventionellem Sperma, der Herdendurchschnittsleistung, der ZKZ und des Herdendurchschnittsalters auf die NRR mit gesextem Sperma analysiert.

Bezüglich der durch den Fragebogen vorgenommenen Bewertung der Qualität der Jungviehaufzucht und der NRR 90 mit gesextem Sperma konnten keine Zusammenhänge festgestellt werden. Die statistische Untersuchung ergab signifikante Unterschiede für das Jahr 2007, den Techniker und die NRR 90 mit konventionellem Sperma. Wobei die NRR 90 mit konventionellem Sperma auf das allgemeine Brunst- und Besamungsmanagement als Einflussgröße für den Reproduktionserfolg hindeutet.

Abschließend ist festzuhalten, dass obwohl Qualitätsunterschiede bezüglich der Jungviehaufzucht deutlich geworden sind, die Vermutung nahe liegt, dass neben dem Fruchtbarkeitsmanagement an sich das Engagement des Landwirts für den Reproduktionserfolg beim Einsatz von gesextem Sperma von entscheidender Bedeutung ist.