Jan Smidt, Masterarbeit 28.04.2011

Einsatz von HeatimeTM zur Ermittlung des Besamungszeitpunktes

Zusammenfassung:

Die Brunsterkennung wird in vielen milchviehhaltenden Betrieben zu einem immer größeren Problem. Verschärft wird diese Schwierigkeit zusätzlich dadurch, dass Hochleistungskühe oft nur noch schwache Brunstsymptome zeigen. Somit werden die Brunstereignisse der Milchrinder entweder gar nicht oder nicht rechtzeitig erkannt.

Deshalb geraten die Betriebe in massive Fruchtbarkeitsprobleme und betriebliche Mehrkosten, da mehrere Besamungen je Trächtigkeit und Tier durchgeführt werden müssen. Zudem erhöhen sich die Zwischenkalbezeiten. Vor diesem Hintergrund war das Ziel der durchgeführten Studie das technische Brunsterkennungshilfsmittel HeatimeTM mit dem laut Hersteller deutlich höhere Brunsterkennungsraten erreicht werden können in einem Praxisversuch zu testen.

Insgesamt wurden zehn Versuchsbetriebe im Einzugsgebiet des Vereins ostfriesischer Stammviehzüchter eG ausgewählt, auf denen 222 auswertbare Besamungen während des Versuchszeitraums von August 2010 bis Dezember 2010 anfielen. 63 Besamungen mussten aufgrund von keiner Anzeige eines Graphen innerhalb/außerhalb des 60-Tage Intervalls, eines unter 5 Punkte liegenden Aktivitätsgrenzwertes, Halsbandabnahme vor Auslesen der Daten, keiner Erkennung, Halsbanddefekt, Systemausfall, Abgang ohne Trächtigkeitsuntersuchung, Fehlalarm, ungeklärter Nicht-Anzeige in der Heatimeliste und Besamung ohne Heatimehalsband von der Auswertung ausgeschlossen werden. Die Betriebsleiter wurden gebeten, Datum, Uhrzeit und Besamungsnummer für jede nach HeatimeTM besamte Kuh zu erfassen. Zudem sollten Besonderheiten wie Hormonbehandlungen oder andere Probleme erfasst werden. Kühe, die ausschließlich durch HeatimeTM erkannt wurden, galt es anzukreuzen. Dadurch sollte die Steigerung der Brunsterkennungsrate mit dem technischen Hilfsmittel erfasst und gleichzeitig der Trächtigkeitserfolg dieser Tiere bestimmt werden. Trotz exakter Anweisungen, wurden in einigen Fällen nicht alle gewünschten Daten erhoben. Fehlende Aufzeichnungen bezüglich Angaben zur Besamungsnummer konnten im Nachhinein über den VOST ermittelt werden.

Die anzukreuzenden Tiere, die ausschließlich über HeatimeTM erkannt und von fünf Betriebsleitern nicht genau dokumentiert wurden, ließen sich nachher nicht mehr erheben. Deshalb konnte diese Fragestellung nur aufgrund von 94 Besamungen behandelt werden.

Im Durchschnitt aller zehn Betriebe rinderten die Kühe mit einem Aktivitätsniveau von 15,7 Punkten. Der geringste Betriebsdurchschnitt lag bei 13 Punkten, der höchste bei 19 Punkten. Auf der Alarmskala von 5-20 Punkten rinderten ca. die Hälfte der Kühe mit dem Maximalwert von 20 Punkten. Dabei besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Trächtigkeit und Heatimemaximum, da mit steigendem Maximum der Trächtigkeitserfolg besser wird, so dass bei Annäherung an den Maximalwert von 20 Punkten die Trächtigkeitswahrscheinlichkeit an die

50 % steigt. Berechnet wurde dieses anhand einer einfache logistischen Regression mit der unabhängigen kontinuierlichen Variable „Aktivitätsniveau (Punkte)“.

Die durchschnittliche Brunstdauer aller Betriebe betrug 810 min, wobei die Kuh mit derkürzesten Brunst (Zeitraum der Aktivitätskurve zwischen dem ersten und zweiten Durchschreiten der 5-Punktegrenze) unter 2,5 Stunden rinderte, die längste Brunst hingegen über 26 Stunden dauerte. Dabei wurde anhand einer einfachen logistischen Regression mit der unabhängigen kontinuierlichen Variable „Brunstdauer (min)“ beobachtet, dass mit zunehmender Brunstdauer die Wahrscheinlichkeit für einen Trächtigkeitserfolg signifikant ansteigt. Die Trächtigkeit bezog sich im Versuch jeweils auf die betriebliche Kontrolluntersuchung.

Ein optimaler Besamungszeitpunkt bezüglich einer eintretenden Konzeption konnte nicht ermittelt werden. Es ließ sich lediglich eine nicht signifikante, tendenzielle Abnahme der Trächtigkeitswahrscheinlichkeit bei zunehmender Entfernung vom Heatimemaximum feststellen. Die größte Anzahl der Besamungen wurde in einem Bereich zwischen 0 und 1500 min nach dem Heatimemaximum durchgeführt. Die Anzahl der Besamungen pro Kuh hatten ebenfalls keinen Einfluss auf den Trächtigkeitserfolg.

Ebenso verhält es sich mit Hormonbehandlungen und anatomischen Problemen. Zu berücksichtigen ist allerdings der niedrige Stichprobenumfang für diese drei Parameter Besamungsnummer, Hormonbehandlung und anatomische Probleme. Durch die Auswertung der fünf Betriebe bezüglich der Erfassung der ohne HeatimeTM nicht wahrgenommenen Brunstereignisse lässt sich eine Steigerung von 68 % auf den Betrieben festhalten. Dieses entspricht 29 Trächtigkeiten, die ohne das technische Hilfsmittel HeatimeTM nicht erkannt worden wären. Festzuhalten bleibt, dass sich der Trächtigkeitserfolg nach der ersten betrieblichen Kontrolluntersuchung bei nur 42 % im Schnitt aller zehn Betriebe bewegt. Das beste Ergebnis wurde mit 60 %, das schlechteste mit 22 % erreicht.

Vor dem Hintergrund sinkender Beobachtungszahlen bezüglich einzelner Kategorien wie z.B. Hormonbehandlungen, wäre ein größerer Stichprobenumfang wünschenswert.

Deshalb kann diese Untersuchung als Grundlage für weitere Untersuchungen dienen. Es könnte darüber hinaus in einer anderen Arbeit der Einfluss der Laktationsnummer bzw. des Lebensalters der Kuh bestimmt werden.

Durch Diskussion mit den Landwirten lässt sich eine positive Tendenz bezüglich dieser Brunsterkennungstechnik festhalten. Vor allem der Zeitbedarf für die Brunstdiagnose konnte verringert werden. Ebenso wurden Zyklusstörungen erkannt. Dennoch gibt es auch bei HeatimeTM Probleme, deren Ursache in Zukunft erforscht und beheben werden sollte. Dieses betrifft vor allem die falsch-positiven Alarmmeldungen bei mit Heatimehalsband ausgestatteten trächtigen Kühen. Wie bereits ebenfalls vorher in Studien berichtet, besitzt HeatimeTM keinen Einfluss auf den Trächtigkeitserfolg, was anhand der niedrigen Konzeptionsraten zu sehen ist.

Deshalb gilt HeatimeTM als gute Wahlmöglichkeit, die Brunsterkennung zu verbessern und dabei Zeit zu sparen. Dennoch muss dieses technische Hilfsmittel gut betreut und verwaltet werden, damit das System effektiv genutzt wird und gleichzeitig den gewünschten Erfolg bringt. Je nachdem wie gut die Brunstbeobachtung und das Zeitmanagement in einem Betrieb funktioniert, sollte individuell entschieden werden, ob HeatimeTM eine Alternative zur Brunstkontrolle darstellt.

Veröffentlicht in Primus Rind, Januar 2013, 26-29