Friederike Jöring, Bachelorarbeit 17.08.2012

Effekte verschiedener Trockensteher-Konzepte auf die Laktationsleistung, Gesundheit und Fruchtbarkeit

Einleitung:

Immer größer wird der Druck auf die milchproduzierenden Betriebe. Die Erzeugerkosten steigen permanent, die Erlöse hingegen sinken. Zudem wird 2015 die Quotenregelung wegfallen.

Dadurch wird es erforderlich, dass produktiver gewirtschaftet wird und die Kühe dementsprechend mehr Milch liefern. Dieser Trend wird bereits sichtbar: die Anzahl der Kühe ist in den letzten 10 Jahren relativ konstant geblieben, wohingegen die Milchleistung stetig gestiegen ist (STATISTISCHES BUNDESAMT LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT, FISCHERREI, 2009). Dennoch steht der hohen Leistung die sich dezimierende Nutzungsdauer der Kühe unter Milchleistungsprüfung (MLP), die zurzeit durchschnittlich bei 2,2 Jahren liegt, entgegen. Ebendies resultiert aus vermehrten Euter- und Fundamentproblemen sowie Sterilität (WANGLER und HARMS, 2008).

Eine Schlüsselrolle nimmt in diesem Konflikt die Trockenstehzeit ein. Sie wurde in früheren Zeiten vielfach vernachlässigt, stellt aber den eigentlichen Beginn einer neuen Laktation dar (VANDERWAL et al., 2012b).

Ziele der Trockenstehphase bestehen darin, Krankheiten, insbesondere Mastitiden, auszuheilen, eine gute Versorgung des Kalbes und eine optimale Vorbereitung auf die folgende Laktation zu ermöglichen. Gleichwohl sind viele Stoffwechselstörungen und andere Krankheiten, wie die Ketose, in dieser Phase begründet (WENDT et al., 1998). Daher zeigt sich immer wieder die zentrale Bedeutung der Trockenstehphase, sodass hier seit Längerem keine einfache Restefütterung mehr stattfindet, sondern eine angepasste Leistungsfütterung. Jedoch finden sich in den Milchviehbetrieben viele Variationen in der Haltung der Tiere, der Fütterung und der Therapie.

In dieser Arbeit werden die Aspekte unterschiedlichen Managements mit ihren Auswirkungen auf die Laktationsleistung, insbesondere der Milchleistung und den Inhaltsstoffen, die Gesundheit und Fruchtbarkeit durch einen Vergleich der unterschiedlichen Konzepte untersucht. Ziel ist es somit, Probleme aufzudecken und ihre Entstehung zu diskutieren.

Zusammenfassung:

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Effekte unterschiedlicher Trockensteherkonzepte auf die Laktationsleistung, Gesundheit sowie Fruchtbarkeit zu untersuchen.

Hierfür wurden von acht Betrieben (sechs VOST-Betriebe, zwei nicht-VOST-Betriebe), die jeweils unterschiedliche Trockensteherkonzepte aufweisen, die Leistungen von insgesamt 72 Kühen betrachtet. Es erfolgte eine Dokumentation der Kalbungen und der Erkrankungen ante und post partum. Bei den Krankheiten wurde beachtet, ob Probleme mit Hypocalcämien, Nachgeburtsverhaltungen, Labmagenverlagerungen, Metritiden, Mastitiden, Ketosen, Azidosen oder Fundamentprobleme auftraten. Zudem wurden die Milchleistung der Laktation vor und nach der Abkalbung und die allgemeinen Fruchtbarkeitsergebnisse erfasst. Bei der Milchleistung wurden die Parameter Milchmenge, Eiweiß- und Fettgehalt, Harnstoffgehalt sowie der somatische Zellgehalt beobachtet. Als Parameter der Fruchtbarkeit wurden die Güstzeit, die ZKZ und der BI ermittelt.

Grundsätzlich kann kein Konzept als optimal angesehen werden. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Zudem spielt der Betriebseffekt eine große Rolle, sodass nicht immer die Trockenstehphase als Auslöser für das Geschehen p.p. konsultiert werden kann.

Deutlich zeigte sich dennoch, dass eine Gewöhnung a.p. an die Ration der Laktierenden bzw. eine Transitration positive Effekte haben:

  • In dem Konzept 1 findet keine Gewöhnung vor der Abkalbung statt. Daraus zeigten sich p.p. bei 93 % der Tiere Gesundheitsstörungen, insbesondere Ketosen bei vier und Metritiden bei sechs Tieren. Die Milchleistung lag im Durchschnitt über die letzten beiden Laktationen bei fast 35 kg/d und die Güstzeiten zeigten sich mit durchschnittlich 104 Tagen niedrig.
  • In dem Konzept 2 zeigte sich ein Erfolg durch den Gebrauch von zwei unterschiedlichen Trockenstellern. Die Zellzahl zeigte sich p.p. mit 127.000 somatischen Zellen/ml Milch deutlich niedriger, als vor dem Trockenstellen, wo der Zellgehalt bei 316.000 somatischen Zellen/ml Milch lag. Weiterhin zahlten sich die regelmäßigen Spülungen p.p. aus, sodass die Tiere keine Probleme mit Metritiden haben. Es zeigten sich durchschnittlich hohe Milchleistungen mit fast 36 kg/d über die letzten beiden Laktationen und im Schnitt eine gute Gesundheit, aber dennoch mit 130 Tagen hohe Güstzeiten.
  • Die Tiere aus dem Konzept 3 zeigten eine geringere Milchleistung mit durchschnittlich 29 kg/d über die letzten beiden Laktationen. Aber hiermit scheinen im direkten Zusammenhang weniger Probleme nach der Abkalbung zu stehen und ein allgemein guter Gesundheitszustand, sodass sich lediglich je ein Tier mit Mastitis- und Acidose-Problemen zeigt. Es zeigte sich durchaus ein positiver Effekt durch die Transitphase. Gleichwohl lagen mit durchschnittlich 137 Tagen sehr hohe Güstzeiten vor.
  • Bei dem Konzept 4 sind die Ergebnisse nicht so aussagekräftig, da diese nur von fünf Tieren vorliegen. Die Tiere wiesen mit Ausnahme von drei Tieren mit Metritiden keine weiteren Krankheiten auf. Die Milchleistung liegt mit 33,5 kg/d im mittleren Bereich und die Güstzeiten mit 82 Tagen der involvierten Tiere sind sehr gering.
  • Die Milchleistung bei den Tieren aus dem Konzept 5 lag mit durchschnittlich 34 kg/d im oberen Bereich. Allerdings hatten die Tiere nach der Abkalbung deutliche Probleme. 60 % der Tiere erkrankten an Milchfieber. Es bestätigte sich erneut, dass die Tiere, die eine hohe Leistung nach der Kalbung erbringen, größere Stoffwechselprobleme haben.
  • Die Kühe aus den Konzepten 6 und 7 hatten während der Untersuchung Weidegang. Hieraus lässt sich kein signifikanter Effekt auf das Geschehen p.p. ableiten. Die Tiere zeigen dennoch eine hohe Milchleistung mit fast 34 kg/d und Erkrankungen treten mit fast 80 % erkrankten Tieren von den 18 Tieren ähnlich häufig auf, wie in den anderen Konzepten. Allerdings zeigten die Tiere in der Untersuchung die meisten Mastitiden. 11 der 18 dokumentierten Mastitiden traten in diesen beiden Konzepten auf. Es könnte somit ein Zusammenhang mit der Weidehaltung bestehen. Insbesondere in dem Konzept 6 zeigten sich nach der Abkalbung Zellzahlen über 400.000/ml Milch. Die Fruchtbarkeitszahlen liegen auch hier durchaus im vertretbaren Mittelbereich. Die beiden Konzepte zeigen im Durchschnitt eine Güstzeit von 118 Tagen.
  • Auf dem Betrieb G (Konzept 7) wird keine Rationsberechnung vorgenommen. Die Fütterung erfolgte nach dem Ermessen des Betriebsleiters. Damit könnte der Ursprung einiger Erkrankung p.p., wie die Ketosen und Acidosen, begründet werden.
  • Der Betrieb H (Konzept 8) produziert seit zwei Jahren ökologisch. Dies erklärt die geringe Milchleistung mit 30 kg/d im Durchschnitt der letzten beiden Laktationen. Allerdings kann diese Leistung über die Laktation hindurch aufrechterhalten werden und sinkt nur mäßig um rund 2 kg/d vom ersten Laktationsdrittel auf das zweite ab. Die Tiere zeigen somit eine hohe Persistenz in der Milchkurve. Zudem liegt die Zellzahl stetig niedrig unter 200.000 Zellen/ml Milch. Das Auftreten von Krankheiten zeigte keinen Unterschied zur konventionellen Bewirtschaftung. Allerdings lagen die ZKZ häufig höher mit 113 Tagen.

Somit lässt sich, aufgrund der untersuchten Betriebe und der zur Verfügung stehenden Daten, zusammenfassen:

  1. Eine Gewöhnung der hochtragenden Tiere an die Laktationsration oder eine Transitphase sind durchaus positiv.
  2. Es konnte kein negativer Effekt der Haltung auf der Weide bis 7 – 14 Tage a.p. erkannt werden.
  3. Tiere die direkt zu Laktationsbeginn eine hohe Milchleistung erbringen, zeigen häufig auch mehr Erkrankungen. Wohingegen Kühe mit einer geringeren Leistung zu Beginn, ein höheres Durchhaltevermögen während der Laktation und teilweise auch weniger Krankheiten zeigen.
  4. Es zeigte sich, dass die Trockenstehphase dazu führen kann, dass der SCS sinkt und somit auch die Gefahr einer Mastitis p.p. Werden die Mastitiden allerdings nicht richtig ausgeheilt, kommt es zu einem chronisch hohen SCS. Bei Infektionen in der Trockenstehphase zeigte sich direkt nach der Kalbung ein hoher SCS.
  5. Bei der Hypocalcämie-Prophylaxe ist eine richtige Anwendung absolut erforderlich. Zudem darf nicht nur die Calcium-Versorgung beachtet werden, sondern auch die Phosphor-Versorgung muss eingeschränkt sein.
  6. Eine Überkonditionierung der Tiere in der Trockenstehphase sollte stets vermieden werden, um die Gefahr von Ketosen zu minimieren.
  7. Durch Acetonämien sinkt die Futteraufnahme wodurch auch die Infektionsabwehr sinkt, und es konnten vermehrt Mastitiden beobachtet werden.
  8. Ein Einfluss der Trockenstehphase auf die Fruchtbarkeit besteht vor allem durch das Auftreten von Erkrankungen. Besonders Krankheiten, die die Zyklusaktivität einschränken, wie zum Beispiel Hypocalcämien, Ketosen oder Metritiden, führen zu einer verzögerten Trächtigkeit.

Es stellen sich somit deutliche Unterschiede zwischen den Konzepten heraus. Der Ursprung einiger Probleme liegt direkt in der Trockenstehphase. Die Bedeutung dieser Phase wurde somit erneut unterstrichen und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.

Veröffentlicht in Primus Rind, Mai 2013, 18-22