Sabrina Heß, Bachelorarbeit 14.09.2012

Analyse von Stärken und Schwächen des Embryotransfers beim Rind aus Sicht von Züchtern

Einleitung:

Der Embryotransfer (ET) ist eine feste Größe in der Tierzucht. Der Anwendungskreis ist groß – er reicht von intensiven Zuchtprogrammen wie der Multiplen Ovulation und Embryo Transfer (MOET) bis hin zu Betrieben, in denen die Tierzucht mehr als Hobby betrachtet wird. Zu den Anwendungsbereichen gehören nach Kräußlich (1994) die Ein- und Ausfuhr von Embryonen, die Lagerung des Genmaterials gefährdeter Rassen und in der Schweinezucht auch die Überwindung von seuchenhygienischen Barrieren.

In der Rinderzucht gilt der ET als interessant, weil mit ihm das genetische Material der Herde verbessert werden kann. Dabei werden von Elitekühen Embryonen gespült und genetisch weniger bedeutenden Tieren eingepflanzt, um sie auszutragen. So wird neben der Erhöhung des Zuchtfortschrittes auch ermöglicht, dass durch die Superovulation gleich mehrere Nachkommen von einem Muttertier produziert werden können, was beim uniparen Rind auf natürlichem Wege kaum möglich ist. Bei Milchrassen liegt die Häufigkeit für eine Zwillingsgeburt bei 2 %, wobei der Kälberverlust bei der Geburt drei Mal so hoch ist wie bei der Einlingsgeburt (Richter und Götz, 1993). Gerade Milchviehbetriebe streben eine hohe Zahl von Nachkommen ihrer leistungsstarken Kühe an. Der ET ermöglicht somit eine Erhöhung der Reproduktionsrate und der Selektionsintensität (Flasch, 2009).

Dabei ist nicht jede Spülung erfolgreich. Etwa ein Drittel alles Spülungen ist erfolglos – es werden keine transfertauglichen Embryonen gewonnen (Hofmann, 2005). Daher nimmt die vorliegende Bachelorarbeit neben den Stärken des Embryotransfers auch seine Schwächen in den Blick.

Ziel ist es, über die Darstellung von Vor- und Nachteilen dieser Methode zu einer profunden Analyse zu gelangen, auf deren Grundlage Verbesserungsvorschläge unterbreitet werden können. Basis ist eine Umfrage unter Züchtern des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST).

Zusammenfassung:

Durch die Umfrage zum Embryotransfer beim Rind unter Züchtern im Gebiet des VOST konnten zahlreiche Stärken und Schwächen der Methode gefunden und analysiert werden.

Eine der größten Schwächen ist sicherlich die Superovulation mit den nicht einschätzbaren Unterschieden in der Ovarreaktion. Gerade die große Variation der Anzahl von Eizellen macht den ET für viele Landwirte zu einer unsicheren Investition. Sie greifen lieber auf Methoden wie die KB zurück, die ihrer Meinung nach zuverlässiger sind und kostengünstiger erscheinen.

Ein weiterer Punkt ist die enorm hohe Menge an Faktoren, die Einfluss auf den Erfolg ausüben. Viele dieser Faktoren können, wenn sie vom Züchter erkannt werden, optimiert werden. Dennoch ist dies von der Erfahrung des Landwirtes und seinem Management abhängig.

Trotz nicht zu vernachlässigender Schachstellen bietet der ET den Landwirten deutliche Vorteile. Diese bestehen vor allem im Zuchtfortschritt und der Verkürzung des Generationenintervalls. So können durch die Jungrinderspülung früh viele Nachkommen von Tieren mit guter Genetik produziert werden.

Züchtern wird durch den ET ermöglicht, wie am Beispiel des Polled-Gens, für sie nützliche Veranlagungen in einer Population zu vermehren und vorteilhaft einzusetzen.

Durch weitere Biotechniken wie das Emryosexen kann weiter Einfluss auf das spätere Geschlecht des Kalbes genommen werden, was in der Milchwirtschaft von großer Bedeutung ist.

Die Wirtschaftlichkeit des Ets ist durchaus ein wichtiges Argument der befragten Kunden. Es ist möglich, dass sich der ET rentiert. Dafür müssen aber die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu zählt neben einem guten Betriebsmanagement, die richtige Auswahl von Spender- und Empfängertieren. Eine gute Beratung kann den Landwirten helfen, mögliche Schwachstellen zu erkennen und zu beseitigen. Die Entwicklung in Südamerika macht Hoffnung, dass die Nachfrage nach dem ET auch hier weiter wächst.

Vorgetragen am 07.06.2013 auf der 40igsten Jahrestagung der AET-d in Berlin