Anne Marten, Masterarbeit 28.09.2012

Auswirkungen des Mineralbolus All-Minerall Plus auf ausgewählte Blutparameter und Gesundheitsmerkmale bei tragenden Rindern

Einleitung:

Die Kälber- und Jungviehaufzucht wird auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben stiefmütterlich behandelt. Während für die Kühe gute Stallverhältnisse geschaffen werden, ihre Fütterung regelmäßig geplant und der Gesundheitsstatus vorbeugend überwacht wird, werden die Ansprüche der Kälber und Rinder häufig nur bedingt gedeckt. Eine ausgearbeitete und bedarfsgerechte Futterration ist zumeist den laktierenden Tieren vorbehalten. Daher stellt die überwiegende Weidehaltung der Jungtiere in Ostfriesland ein Problem dar. Eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen kann häufig nicht gewährleistet werden, da hier Sand- und Moorböden vorherrschen. Diese zeichnen sich durch Kupfer-, Mangan- und insbesondere Selenmangel aus (HEGE 1998; STAUFENBIEL 2004). Durch das Verabreichen des „All-Minerall Plus“-Bolus soll über einen Zeitraum von sechs Monaten eine kontinuierliche Abgabe der Mineralstoffe gewährleistet werden. Der eingesetzte Bolus wird von der Firma Holland Animal Care als Ergänzungsfuttermittel vertrieben. Die Inhaltsstoffe sind Kupfer, Kobalt, Selen, Mangan, Zink, Jod, Vitamin A, Vitamin D3 und Vitamin E. Der Hersteller verspricht durch die Gabe des Bolus an das Rind während der Trächtigkeit eine Verbesserung des Wachstums, der Eutergesundheit, der Stoffwechsellage und der Vitalität der Kälber.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob der Zusatz des Spurenelement-Bolus bei tragenden Rindern zu einer Verbesserung der Entwicklung während der ersten Trächtigkeit und damit zusammenhängend auf den Kalbeverlauf und die Vitalität der Kälber führt. Dazu werden die Versuchstiere mit einem Bolus versorgt während die Kontrollgruppe keine zusätzliche Mineralstoffgabe bekommt. Zur Feststellung des Einflusses des Bolus werden verschiedene Blutparameter bewertet und der Abkalbeverlauf sowie die Vitalität der Kälber evaluiert. Die Untersuchung findet in dem Gebiet des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOSt) statt. Die dafür ausgewählten Betriebe setzen in der Jungviehaufzucht kein zusätzliches Mineralfutter ein und haben bisher auf den Einsatz von Boli verzichtet.

Zusammenfassung:

Im norddeutschen Raum überwiegt in der Jungviehaufzucht die Weidehaltung. Diese führt häufig zu Mangelerscheinungen, die immer wieder als Problem thematisiert werden. Zum einen wird die spätere Leistungsfähigkeit der Kuh und zum anderen wird die Vitalität des Kalbes beeinflusst. Eine Verbesserung der Spurenelement- und Vitaminversorgung durch präventive Maßnahmen soll einer Mangelversorgung vorbeugen und die Vitalität der Nachzucht verbessern. Dieser Aspekt wurde zum Anlass genommen, die Wirkungen des Mineralstoffbolus „All-Minerall Plus“ in Bezug auf die Blutparameter und den damit einhergehendem Gesundheitsstatus der tragenden Rindern und die Vitalität ihrer Kälber zu untersuchen. In dem Bolus sind Selen, Kupfer, Zink, Mangan, Jod, Vitamin A, D3 und E enthalten. Laut Herstellerangaben soll durch die Verabreichung zweier Boli vor dem Weideaustrieb die Spurenelemente- und Vitaminversorgung über sechs Monate verbessert werden. Zum Nachweis dieses Effektes wurden 110 Tiere auf acht Betrieben jeweils zur Hälfte in Versuchs- und Kontrollgruppe eingeteilt. Die Versuchsgruppe erhielt dabei den All Minerall-Plus-Bolus, während die Kontrollgruppe keinen Bolus bekam. Von diesen Tieren und deren Kälbern wurden Blutproben an drei Terminen gezogen und analysiert. Die erste Blutprobe zu Versuchsbeginn, die zweite nach ca. drei Monaten. Die dritte Beprobung des Versuchstieres sowie dessen Kalbs fand unmittelbar nach der Kalbung statt. Für die Auswertung des Einflusses des Bolus wurde das Blut in der Klinik für Rinder der Tierärztlichen Hochschule in Hannover auf die Konzentration von Calcium, Phosphor, Selen, Kupfer, Zink, Kobalt, Eisen, Mangan, β-Carotin, Vitamin A und E getestet. Der Abkalbeverlauf und die Vitalität der Kälber wurden mittels eines Fragebogens erfasst.

Nachfolgend sind die Ergebnisse in Bezug auf die Mineralstoffe dargestellt:

  • Zu Beginn der Untersuchung war die Versorgungslage mit Selen mangelhaft, die Selenversorgung konnte durch den Bolus jedoch signifikant verbessert werden. Eine Mangelversorgung konnte dennoch nicht immer verhindert werden. Ein plazentarer Übergang von Selen kann bestätigt werden. Typische Mangelsymptome, wie Zwischenschenkelekzeme und Vitalitätseinbußen, konnten teilweise nachgewiesen werden.
  • Der Bolus hat einen signifikanten Effekt auf den Kupfergehalt im Blut. Kupfermangelsymptome konnten nicht festgestellt werden. Die Kälber weisen eine ausreichende Kupferversorgung auf. Die Feststellung des Blutgehaltes über die optische Emmissionspektrometrie muss hinterfragt werden.
  • Die geringe Anzahl auswertbarere Proben für die Mangankonzentration und die geringe Aussagekraft der erfassten Proben über das Blut, erlauben keine eindeutige Aussage. Die auswertbaren Proben sind fast durchweg im optimalen Bereich. Es sind keine Mangelsymptome aufgetreten.
  • Es konnte ein signifikanter Einfluss des Bolus auf die Zinkkonzentration festgestellt werden, der jedoch nicht ausreichte, um die Blutkonzentration auf den Optimalgehalt zu erhöhen. Sowohl Versuchs- als auch Kontrolltiere liegen überwiegend im Mangelbereich. Dennoch konnten keine Mangelsymptome festgestellt werden.
  • Der Bolus hatte einen signifikanten Effekt auf die Vitamin A-Versorgung. Innerhalb der Betriebe konnten höchst signifikante Einflüsse des Bolus festgestellt werden. Zur Kalbung waren geringere Vitamin A-Werte im Blut als zu den vorhergegangenen Blutprobenterminen zu verzeichnen. Ein Zusammenhang zwischen β-Carotin und Vitamin A kann statistisch nicht nachgewiesen werden.
  • Die Vitamin E-Konzentration im Blut konnte durch den Bolus nicht signifikant beeinflusst werden. Ein plazentarer Übergang von Vitamin E kann ausgeschlossen werden. Typische Mangelsymptome wurden nicht festgestellt.

Die Auswertung für Jod und Vitamin D3 konnte auf Grund fehlender Labordiagnostik nicht ausgewertet werden.

Die im Bolus verwendeten Bindungsformen der Spurenelemente und Vitamine sind gut geeignet um eine Verbesserung der Versorgungslage herbeizuführen. Allerdings sind die Konzentrationen im Bolus nicht den Bedarfswerten angepasst. Für die Parameter Mangan, Zink und die Vitamine A, D3 und E liegen geringere Konzentrationen vor während der Gehalt von Jod deutlich überhöht ist.

Überhöhte Blutkonzentrationen sind nur vereinzelt für Phosphor, Eisen und Selen aufgetreten, welche allerdings keinen Zusammenhang mit der Verabreichung des Bolus zeigen.

Auf Grund der leichten Geburten durch die ausschließliche Geburt weiblicher Kälber ist keine Interaktion zwischen Geburtsverlauf und der Spurenelement- und Vitaminversorgung zu erkennen. Das bedeutet, dass das Geschlecht des Kalbes einen höheren Einfluss auf den Geburtsverlauf und die Vitalität der Kälber hat als die Spurenelementversorgung. Der Einsatz von von X-chromosomal gesextem Sperma konnte somit in der vorliegenden Arbeit den Kalbeverlauf positiv beeinflussen. Es konnte ebenso kein Zusammenhang zwischen der Mineralstoffversorgung und der Vitalität der Kälber gefunden werden.

Der Bolus ist eine kostengünstige und zeitsparende Alternative zu Leckschalen oder Mineralstoffdosierer um die Versorgung der Tiere zu bessern. Der Einsatz wird insbesondere für Betriebe mit nährstoffarmen Böden empfohlen. Die Selendüngung der Weideflächen kann zwar den Selengehalt der Pflanzen erhöhen, aber die in der vorliegenden Arbeit auftretende Mängel für Kupfer und insbesondere der Vitamine kann nur durch eine zusätzliche Mineralstoffgabe ausgeglichen werden.

Weiterer Forschungsbedarf:

Für die genaue Klärung der Versorgungslage, kann durch die Entnahme weiterer Probenmaterialien der tatsächliche Versorgungsgrad in weiterführenden Untersuchungen verdeutlicht werden.

Ob eine höher frequentierte Beprobung der Tiere einen genaueren Verlauf der Versorgungslagen darstellen kann, muss in Zukunft geklärt werden. Hier müssen allerdings die Kosten der zusätzlichen Analysen in Betracht gezogen werden.

Um die Vorzüge des Bolus genauer untersuchen zu können, müssen weitere Vergleichsgruppen in die Untersuchung aufgenommen werden. Die Vergleichsgruppen bekommen die Mineralstoffsupplementierung über Leckschalen oder Mineralstoffdosierer. Eine weitere Möglichkeit ist die Untersuchung des Einfluss einer gezielten Düngung der Weideflächen auf die Blutgehalte der Rinder.

Es ist des Weiteren bei einer derartigen Untersuchung notwendig, die Auswahl des Labors zu hinterfragen. Hier stehen Aspekte wie Genauigkeit, Service und Preisgestaltung an erster Stelle. Da diese Punkte durch das beauftragte Labor nicht immer gegeben waren, sollte über die Alternative von mobilen Blutuntersuchungsgeräten nachgedacht werden. Da in der vorliegenden Arbeit die Gegebenheiten für den Einsatz der unhandlichen Geräte aufgrund der Vielzahl der Betriebe nicht gegeben waren, musste auf die Analyse in einem kommerziellen Labor zurückgegriffen werden.

Der Einfluss des Bolus auf weitere Größen, wie Milchleistung, Gesundheit, Zellzahlen und Fruchtbarkeit muss in weiterführenden Untersuchungen geklärt werden.

Die Ergebnisse zeigten teilweise, dass die Werte zwischen der zweiten und dritten Beprobung angestiegen sind. Die Herstellerfirma des All-Minerall Plus propagiert, dass die Abgabe der Spurenelemente und Vitamine kontinuierlich verläuft. Daher bedarf es hier weiterer Untersuchungen, ob der Grund für die ungleichmäßige Verteilung der Versorgungslagen die unregelmäßige Spurenelementabgabe oder die Anfütterung der Färsen zur Kalbung ist.

Vorgetragen am 07.06.2013 auf der 40igsten Jahrestagung der AET-d in Berlin