Kerstin Semken, Masterarbeit 30.09.2013

Nutzung des Brunst-Erkennungssystems HeatimeTM zur Ermittlung der Brunsterkennungsrate bei Milchkühen

Einleitung:

In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind eine stetige Intensivierung sowie ein struktureller Wandel in der Milchviehhaltung zu erkennen. So stehen die steigenden Bestandsgrößen einer Abnahme an Arbeitskräften gegenüber (STATISTISCHES BUNDESAMT, BMELV, 2013). Durch züchterischen Fortschritt, verbesserte Haltungsbedingungen und Veränderung der Fütterung ist zudem eine Milchleistungssteigerung zu verzeichnen (LUCY, 2001). Gab eine durchschnittliche deutsche Milchkuh im Jahr 1996 6562 kg Milch, so hat sich die durchschnittliche Milchleistung bis zum Jahr 2004 um 20,3 % auf 7894 kg Milch je Kuh und Jahr gesteigert (ZELFEL, 2008). Im Jahr 2012 betrug die durchschnittliche Milchleistung schon 8237 kg Milch je Kuh und Jahr (DLQ, 2013).

Diese Veränderungen führen jedoch zu verschlechterten Reproduktionsleistungen aufgrund von Problemen bei der Brunstbeobachtung und Brunsterkennung. Eine von HEUWIESER (1997) empfohlene dreimal tägliche visuelle Brunstbeobachtung, über einen Zeitraum von 20 Minuten außerhalb der Melk- und Fütterungszeiten, ist aufgrund der steigenden Herdengrößen und des geringen Arbeitskräftebesatzes nur schwer durchführbar (LUCY, 2001). Die verkürzte Brunstdauer aufgrund der gesteigerten Milchleistung (LOPEZ et al., 2004), die Verlagerung der Brunstaktivität in die Nacht (VAN VLIET und VAN EERDENBURG, 1996) und die zunehmende Stillbrünstigkeit (HARRISON et al., 1990) erschweren zudem die Brunsterkennung. Daraus ergeben sich unter anderem verlängerte Güst- und Zwischenkalbezeiten und damit auch wirtschaftliche Einbußen (JUNG, 2009).

Aufgrund dieser Problematik wurden in den letzten Jahren einige technische Hilfsmittel entwickelt, um die Brunstbeobachtung effizienter und weniger zeitintensiv zu gestalten. So wurden auch Systeme entwickelt, welche auf die Aktivitätssteigerung zum Zeitpunkt der Brunst beruhen. HeatimeTM ist eines dieser Systeme. Laut Herstellerangaben soll es 90 % aller Brunstereignisse erkennen (ANONYMUS, 2013). Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, in einem Praxisversuch, welcher auf zehn Milchviehbetrieben durchgeführt wurde, die Brunsterkennungsrate des Brunst-Erkennungssystems HeatimeTM zu ermitteln. Zudem soll untersucht werden, ob der Trächtigkeitserfolg von der Aktivitätshöhe, der Brunstdauer oder der Tageszeit des Heatimemaximums abhängt. Als weiteres soll geprüft werden, ob die Brunstdauer durch die Laktationsnummer oder die Rasse beeinflusst wird.

Zusammenfassung:

Das Ziel dieser Arbeit war es, eine Aussage bezüglich der Brunsterkennungsrate des Brunst-Erkennungssystems HeatimeTM zu treffen. Des Weiteren sollte überprüft werden, ob die Konzeptionsrate von der Aktivitätshöhe, der Brunstdauer oder der Tageszeit des Heatimemaximums abhängt und in wie fern die Laktationsnummer oder die Rasse einen Einfluss auf die Brunstdauer ausüben.

Hierzu wurden Untersuchungen auf zehn Betrieben, die dem Zuchtverband Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter eG angehören, und die das Brunst-Erkennungssystems HeatimeTM bereits seit einigen Jahren installiert hatten, vorgenommen.

Innerhalb des Versuchszeitraumes wurden 392 Besamungen, von denen 358 auf eine durch HeatimeTM angezeigte Aktivitätserhöhung beruhten, durchgeführt und die dazugehörigen Aktivitätsdaten ausgewertet. Zudem wurden durch Befragung der Betriebsleiter die Ergebnisse der Trächtigkeitsuntersuchungen gewonnen.

Die Untersuchungen ergaben über alle Betriebe für das Brunst-Erkennungssystem HeatimeTM eine Brunsterkennungsrate von 69,1 ± 6,4 %, wobei signifikante Unterschiede zwischen den Betrieben festgestellt werden konnten. Die höchste ermittelte Brunsterkennungsrate eines Betriebes lag bei 88,5 ± 8,9 % und die niedrigste bei 54,9 ± 5,4 % (P = 0,0012). Die Konzeptionsrate wurde durch keinen der untersuchten Aktivitätsparameter signifikant beeinflusst. Es konnte jedoch eine positive Korrelation zwischen der Aktivitätshöhe und der Brunstdauer ermittelt werden (r = 0,81). Bezüglich der Brunstdauer lässt sich sagen, dass weder die Laktationsnummer noch die Rasse diese signifikant beeinflusst.

Veröffentlicht in Primus Rind, September 2014, 30-34